LogoSendung verpasst

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Luxus, Pomp und Prominenz

vom 27.02.2024

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Luxus, Pomp und ProminenzHier klicken um das Video abzuspielen
Es ist nicht irgendein Haus, es ist das barocke Kleinod zwischen Dresdner Zwinger und Residenzschloss: das Grandhotel Taschenbergpalais Dresden. Seine Lage in der historischen Altstadt ist unbezahlbar, sein Renommee auch. Zahlreiche Prominente von Barack Obama bis Elton John, Königin Beatrix, Helmut Schmidt, Wladimir Putin oder Sting haben in dem Haus geschlafen, gegessen, gelacht, geliebt, geträumt. Im Januar 2023 schloss das Hotel seine 180 Zimmer und luxuriösen Suiten, verkaufte das Mobiliar, um sich einer umfassenden Renovierung zu unterziehen. Die war nach 28 Jahren Hotelbetrieb auch vonnöten. Der moderne, gutbetuchte Gast von heute mag Lage und Komfort des Hauses, weniger aber den Plüsch der 90er Jahre. Architekten und Designer standen vor der Aufgabe, Modernes mit Denkmalschutz zu verbinden. "Das Aufwendigste ist immer das, was man nicht sieht, aber gut funktionieren muss", erklärt Architekt Jan Tröber. Sämtliche Elektro- und Wasserleitungen mussten erneuert werden. Aufwendig, teuer und voller Tücken. Aber der Architekt aus Frankfurt a.M. ist stolz, mitwirken zu dürfen. Die 140 Mitarbeitenden des Grandhotels wurden teils in anderen Kempinski-Häusern untergebracht, einige blieben in Dresden. Wie Thomas Wenzel, zuständig für das Housekeeping. Der gelernte Baufacharbeiter lebt für das Grandhotel, hat als Hausmann hier seine Bestimmung gefunden. Während der Renovierung hilft er, wo es Not tut. Der Eröffnung fiebert er mit Gänsehaut entgegen. Genauso wie Kerstin Meier, ihres Zeichens Hausdame. Seit 28 Jahren arbeitet sie als "guter Geist" im Taschenbergpalais, betreut Zimmermädchen, Hoteldiener, Fremdfirmen. "Jeder Tag ist anders, man kann sich früh etwas vorgenommen haben, was nach einer Stunde hinfällig ist, durch Wünsche oder kleinere bis größere Katastrophen oder auch schöne Ereignisse - wir haben alles." Alles wollte auch Kurfürst August der Starke 1705 seiner geliebten Gräfin Cosel mit diesem Palast beweisen. Vor allem seine Liebe. Doch das Glück der Herz-Dame im Taschenbergpalais währte nur kurz. Die Cosel wurde verbannt, andere Mätressen und Thronfolger zogen ein, bauten das Palais um. 1945 wurde es beim Luftangriff auf Dresden fast völlig zerstört und blieb bis 1990 eine Ruine. Aber das Taschenbergpalais sollte "auferstehen" als Hotel der Spitzenklasse. Im November 1993 gab es den ersten Spatenstich. Zwei Jahre später die feierliche Eröffnung. Architekturfotograf Jörg Schöner hat damals den Umbau der Ruinen zum Luxushotel begleitet. Seine Bilder sind heute historische Dokumente. Der 79-jährige Dresdner ist gespannt, wie sich nun das Haus präsentieren wird. Pünktlich zum Semperopernball im Februar 2024 öffnet es seine Türen, um Gäste und Dresdner zu begrüßen.
Sender:
mdr
Sendedatum:
27.02.2024
Länge:
44 min
Aufrufe:
32

Weitere Folgen

29 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Dresdner Albertstadt - wunderbar verwandelt

11.05.2024 | mdr

Ein Film von Ulli Wendelmann Ab 1877 entsteht entlang einer Heerstraße eine Stadt für 20.000 Soldaten. Bis dahin ist das Gebiet zwischen Neustadt und der Dresdner Heide Jagdgebiet für den Adel. Einen "Dorfkern" sucht man in der Albertstadt vergebens. Er wird durch ein Aufmarsch- und Paradefeld ersetzt. Der Dresdner Götz Krüger kennt die Geschichte der Albertstadt wie kein anderer. Seit Jahren ist er im Arbeitskreis sächsische Militärgeschichte engagiert und erzählt, wie sich die Gebäude verändert haben. Auf dem Industrieareal rund um das Kraftwerk lassen sich nach Gründung der DDR der VEB Starkstromanlagenbau und andere Firmen in den Hallen nieder. Nach dem Mauerfall gehen viele Betriebe im Industrieareal Pleite. Das Gelände verkommt weitgehend zur Brache. 2004 hat Klaus Eckhard aus Bayern eine Idee. Unter dem Namen "Zeitenströmung" entwickelt er gemeinsam mit einem Geschäftspartner ein Konzept. Aus ehemaligen Werkshallen soll ein Gelände für Start-Up-Firmen, Eventgastronomie und Ausstellungen entstehen. Im Schatten der "Zeitenströmung" werden Fabriken für eine neue Club- und Partymeile, der "Straße E" genutzt. Sebastian Gottschall gehört hier zu den Machern der Reithalle, die in historischen Gemäuern neue Bands und Sounds präsentieren. Eine vergessene und verdrängte Geschichte hat der Dresdner Fotograf Martin Hertrampf dokumentiert. Ab Mitte der achtziger Jahre hält er das Leben der Sowjetsoldaten in der Albertstadt fest. Bis zu ihrem Abzug 1992 bleiben sie hier fast fünfzig Jahre lang "fremde Freunde". Nach dem Mauerfall stellen die Stadt Dresden, Land und Bund mehrere Millionen für die Revitalisierung bereit. Die Idee, die Albertstadt von einer ehemaligen Garnisonsstadt zur Wohn-Dienstleistungs-Kulturstadt zu entwickeln, geht auf. In dem Film "Dresdner Albertstadt - wunderbar verwandelt" führen Ortschronisten und Investoren, Eventmacher und Soldaten durch eine unbekannte und spektakuläre, neue Albertstadt.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Das Gauforum Weimar – Hitlers geheimnisvoller Machttempel

07.05.2024 | mdr

Ein Film von Michael Erler Weimar - die Klassiker- und Bauhausstadt im Herzen Thüringens. Deutsche Geschichte und berühmte Bauten, wie das Nationaltheater oder Goethes Haus am Frauenplan, locken jedes Jahr tausende Touristen aus aller Welt in die Stadt. Doch der größte historische Gebäudekomplex der Weimarer Innenstadt interessiert die Besucher kaum, obwohl er weltweit einmalig ist. Niemand kommt wegen dieser Bauten nach Weimar. Sie haben eine dunkle Vergangenheit und entstanden, wie das nahegelegene Konzentrationslager Buchenwald, in der Zeit des Nationalsozialismus. Vom Weimarer Gauforum ist die Rede. Ein riesiges neues Zentrum der Stadt - geplant und gebaut in den dreißiger und vierziger Jahren des 20.Jahrhunderts. Überall in Deutschland sollten diese neuen Machtzentren entstehen, aus Aufmarschplätzen, Volkshalle und Residenzen, gedacht für NSDAP und Verwaltung. Nur ein einziges Gauforum wurde tatsächlich gebaut - in Weimar. Kalt und abweisend wirkt es heute auf den Betrachter. Aber alles kann sich ändern. In einem Teil des ehemaligen Gauforums wird nun eine einzigartige Ausstellung aufgebaut: Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Jahrelang wurde sie in zahlreichen europäischen Städten gezeigt. Nun erhält sie ihren endgültigen würdigen Platz im Weimarer Gauforum und kehrt damit praktisch an den Ursprungsort der Nazi-Untaten zurück. Schon zur Bauzeit rankten sich Mythen und Legenden um das Gauforum. Von unterirdischen Etagen und Katakomben war die Rede. Sie sollen geraubte Kunstschätze des einstigen NS-Gauleiters Fritz Sauckel verbergen, wurde gemutmaßt, vielleicht sogar das Bernsteinzimmer. Nach 1945 wurde das halbfertige Gebäudeareal schließlich unspektakulär zu Ende gebaut. Es blieb aber ein geheimnisvoller Ort. Verborgen hinter einem blickdichten Bretterzaun beherbergte er die sowjetische Militärverwaltung in Thüringen. Später, zu DDR-Zeiten, wurden das Gebäudeensemble pragmatisch genutzt, aber seine Geschichte blieb ausgeblendet. Der Film nimmt uns mit auf Entdeckungsreise und folgt den Spuren dieses einzigen jemals entstandenen Gauforums im Deutschen Reich. Zeitzeugen und Historiker berichten über die Entstehungsgeschichte und wir sind dabei, wenn junge Weimarer Handwerker und Gestalter die einmalige Ausstellung zur Geschichte der Zwangsarbeit im Dritten Reich aufbauen, die am 08. Mai 2024 im Südflügel des ehemaligen Gauforums eröffnet wird.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Erfurter Kreuz – Wirtschaftsmotor an der Autobahn

01.05.2024 | mdr

Der Erfolgsgeschichte des ehrgeizigen Infrastrukturprojekts beginnt 2007 mit der Ansiedlung von N3, einem Gemeinschaftswerk von Lufthansa und Rolls-Royce zur Wartung von Flugzeugtriebwerken. Mehr als 100 Unternehmen produzieren hier heute. Das Erfurter Kreuz boomt und wächst immer weiter. Doch das hat auch Schattenseiten, die Verkehrsbelastung in den Kommunen steigt, Ackerflächen werden verbaut und Fachkräfte dringend benötigt. Wie arbeitet und lebt es sich in und an diesem riesigen Wirtschaftsstandort? Wir haben einige getroffen, die uns einen Blick hinter die Kulissen gewähren oder sich engagieren für oder gegen das weitere Wachsen des Erfurter Kreuzes. Einer davon ist Ingolf Weinert. Er kontrolliert Leitungen, Schrauben und Turbinenschaufeln, bevor ein tonnenschweres Flugzeugtriebwerk für den Versand an eine Airline fertiggemacht wird. Der kleinste Fehler kann die Sicherheit von Fluggästen gefährden. Mehrere Wochen war es zur Triebwerkwartung bei N3. Auch Streckenwart Randolf Focht ist beinahe täglich am Erfurter Kreuz. Er fährt hinauf und hinab an den Autobahnen, kontrolliert die Leitplanken, sichert Unfälle ab. Fast 40 Jahre hat er sich für die Ordnung und Sicherheit am Autobahnkreuz eingesetzt, Ende September stellt er sein orangefarbenes Auto ein letztes Mal in die Garage der Autobahnmeisterei und übergibt an jüngere Kollegen. Am Rande des Gebietes pflügt Sigmar Arnold mit seinem Mähdrescher durch die Felder, und bringt die Rapsernte ein. Für den Chef eines landwirtschaftlichen Betriebes begann mit dem Gewerbegebiet der Kampf ums Überleben. Pachtverträge liefen aus, er musste Flächen verkaufen, aus Feldern wurden Gewerbeflächen. Der Bauer hatte das Nachsehen angesichts von Firmen, die Millioneninvestitionen und Tausende von Arbeitsplätzen versprachen. Bürgermeister Frank Spilling kann sich noch gut an die trostlose Zeit in seiner Heimatstadt Arnstadt erinnern, als die Menschen nach der Wende wegzogen und unsanierte Häuser zurückließen. Vieles von dem, was sich die Anrainer durch den Industriepark erhofften, hat sich erfüllt, selbst als zwischendurch die Solarindustrie nach einem Boom abstürzte. Die Lücken füllten rasch andere. Doch der Aufschwung bringt neue Herausforderungen mit sich: mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Lichtverschmutzung und die Suche nach Fachkräften. Zu Ende ist die Entwicklung am Erfurter Kreuz nicht.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Kultauto Wartburg - Von Zweitaktduft und Schrauberlust

01.05.2024 | mdr

Die Wartburgschrauber aus Eisenach haben sich viel vorgenommen. In nur acht Wochen wollen sie „Karlchen“ fahrtüchtig machen. Karlchen ist ein charmanter 311er Wartburg, Baujahr 1962, gereift und lebenserfahren, kein aufgespritzter Schönling, sondern echt, etwas wacklig auf den Rädern und auch der Motor stottert. Aber das soll sich ändern, eine echte Challenge, denn beim „Startklar“, dem beliebten Oldtimer-Treffen in Eisenach, soll er seinen großen Auftritt haben. Enrico Martin ist überzeugt: Wir schaffen das! Und mit ihm die anderen der Truppe, rund 14 Wartburgfans, der harte Kern der Eisenacher Wartburgschrauber. Tatsächlich ist der Wartburg-Kult keine regionale Besonderheit. Wartburgfans gibt es weltweit. Darunter eine leidenschaftliche Fangemeinde in Norwegen. Nach dem Vorbild der Eisenacher Wartburgschrauber trifft sich die Schrauber-Crew um Jon Thonnesen regelmäßig in der Nähe von Oslo, um ihre Wartburgs am Laufen zu halten. Jon selbst hatte sich seinen ersten Wartburg mit 15 Jahren gekauft und seitdem alle wichtigen Stationen seines Lebens mit diesen Autos erlebt. Auch das Leben von Jessica Lindner-Elsner ist von den Wartburg-Autos geprägt. Die Historikerin arbeitet in der Automobilen Welt Eisenach, dem Wartburgmuseum im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Automobilwerkes. Sie interessiert besonders die Rolle der Frauen im Eisenacher Fahrzeugbau und was aus ihnen nach der Wende wurde. Ein Beispiel ist Petra Peterhänsel, die früher im AWE gelernt hat und heute Chefin des BMW-Werkes in Leipzig ist. Für die Historikerin Lindner-Elsner ist das eine spannende Konstellation, sind doch Wartburg- und BMW-Geschichte in Eisenach eng miteinander verknüpft.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Fliegerstadt Laucha - 100 Jahre Luftsport

30.04.2024 | mdr

Noch heute ist der Flugplatz Laucha ein deutschlandweit bekannter Hotspot der Luftsportszene. Gleitschirme, Drachen, Segelflieger, Kunstflieger, Modellflieger - alle finden hier ideale Aufwindbedingungen. Um sicher und mit möglichst wenig Risiko zu fliegen, brauche es vor allem Respekt vor dem Sport, sagt die Fluglehrerin Sarah St. Clair. Sie ist für das Fliegen aus Hessen nach Sachsen-Anhalt gezogen und verbringt nun jede freie Minute auf dem Flugplatz, um hier dem Pilotennachwuchs das Fliegen beizubringen. Ihr Flugschüler Albert ist gerade einmal 16 Jahre alt und übt fleißig, um irgendwann ganz alleine in der Thermik kreisen zu können. So wie er haben hier in Laucha Generationen vor ihm bereits das Fliegen gelernt. Statt wie heute auf Augenhöhe, früher mit viel Drill und Disziplin. Denn der Flugplatz hat auch ein dunkles Kapitel. Die Nationalsozialisten bauten hier eine Reichssegelflugschule und bildeten den Nachwuchs für die Bomber und Jagdflieger aus. Nach dem Krieg übernahm die GST, die Gesellschaft für Sport und Technik, das Gelände. In der DDR gehörte die vormilitärische Ausbildung zum Segelfliegen dazu. Zeitzeuge Klaus Garbe erinnert sich an dieses Kapitel der Fliegerei in Laucha. Der 80-Jährige ist noch heute im Luftsport aktiv. Einmal im Jahr ist er mit seiner Antonov2 und den Merseburger Fallschirmspringern in Laucha zu Gast, wenn der Flugplatz bei den Flugtagen Tür und Tor für das Publikum öffnet. Hier kann der Luftsport in all seinen Facetten bestaunt werden. In den 70er Jahren war Klaus Garbe als Flugzeugmechaniker in Laucha stationiert. Das war einige Jahre, bevor das Fliegen in Laucha komplett verboten wurde. Fluchtversuche mit Segelflugzeugen wurden befürchtet. Trotz Verbot wollten sich einige wenige Abenteurer nicht vom Fliegen abhalten lassen. Bäckermeister Thilo Schwarz baute sich mit Hilfe eines polnischen Bauplans einen Drachenflieger und flog heimlich an den Hängen im Unstruttal. Bis ihm die Stasi auf die Schliche kam. Erst im März 1990 durfte er das erste Mal ganz offiziell in Laucha starten. Als das Flugverbot aufgehoben und der Flughang feierlich eingeweiht wurde, kamen tausende Besucher nach Laucha, um das Spektakel am Himmel zu bewundern. Auch eine junge Reporterin des DDR-Fernsehens war damals dabei: Maybrit Illner. Sie bewies Mut und flog im Starkwind im Tandemdrachen an der Lauchaer Hangkante über den Weinbergen. Diese und andere Geschichten aus der Fliegerstadt Laucha erzählt Autor Ben Arnold.

29 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Der Erfurter Hauptbahnhof

24.04.2024 | mdr

Der Erfurter Hauptbahnhof ist seit 170 Jahren nicht nur Ausgangs- und Endpunkt unstillbarer Sehnsucht sondern auch ein Ort stetiger Veränderung. Er ist das Herz der Stadt und es schlägt rund um die Uhr, 24 Stunden. Doch wer sind die Menschen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles reibungslos funktioniert? Und für wen bedeutet der Bahnhof Heimat und Fernweh zugleich? Der Umbau des Bahnhofs und die Neueröffnung der ICE Strecke München-Berlin waren die letzten großen Herausforderungen, die unter anderem Christine Kromke zu meistern hatte. Sie hat 1977 auf dem Erfurter Bahnhof ihre Ausbildung als Lehrling bei der Deutschen Reichsbahn begonnen und ist heute die Bahnhofschefin. Die 4.100 Quadratmeter mit einem breiten Angebot an Dienstleistungen, Handel und Gastronomie gehören ebenso zu ihrem Verantwortungsgebiet, wie die 154 Meter lange, gläserne Bahnsteighalle und der reguläre Zugverkehr mit durchschnittlich 34.000 Reisenden, die den Ort täglich passieren. Die Journalistin, Moderatorin und erfolgreiche Buchautorin Christine Westermann wurde in Erfurt geboren. Ihr Vater Ewald Westermann gehörte zu den wichtigen Akteuren des demokratischen Aufbruchs in seiner Heimatstadt und war Gründungsmitgliedern der Liberal-Demokratischen Partei. Als die SED damals begann, die Blockparteien politisch zu vereinnahmen, widersetzte er sich. Als Freunde ihn, warnten, dass sein Name auf einer schwarzen Liste steht, verlässt er 1953 die DDR. Mit dem Zug fuhr er vom Erfurter Hauptbahnhof in Richtung Berlin Friedrichstraße. Nur wenige Tage später folgten die damals 4-jährige Christine Westermann und ihre Mutter. Auch für den gebürtigen Erfurter Bernd Römer, seit 1976 Gitarrist der Rockband Karat, ist der Bahnhof ein Ort tiefer Sehnsucht. Im Bahnhof seiner Heimatstadt fand 1967 nicht nur sein erster Auftritt statt, sondern von hier aus fuhr der kleine Junge mit seiner Mutter zu seiner Großmutter nach Wuppertal. Für Andreas Welskop, der jahrelang Clueso managte, sind der Bahnhof und der angrenzende Güterbahnhof ein Ort permanenter Veränderung. Für den jungen Musiker Clueso und ihn wird der alte Güterbahnhof zum musikalischen Zuhause namens „Zughafen“. In Eigenleistung restaurieren sie das Areal, das heute ein Treffpunkt für Künstler und Gastronomen ist. Nur einen Steinwurf entfernt kann der Erfurter Hauptbahnhof mit seinem „hippen Ableger“ punkten. Der Film entdeckt aus einer sehr persönlichen Perspektive die wechselvolle Geschichte und Geschichten des Erfurter Hauptbahnhofs. Ein Film von Galina Breitkreuz

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Thüringens Tausender – Der Schneekopf

23.04.2024 | mdr

Clevere Tourismusvermarkter des Thüringer Wintersportzentrums Oberhof halten es vor einhundert Jahren mit der Wahrheit nicht so genau: Sie werben mit der magischen Zahl von 1000 Metern über Meereshöhe des in der Nachbarschaft gelegenen Berges Schneekopf. Das ist nicht ganz korrekt, doch die Strategie – nachvollziehbar. Seit jeher gilt die 1000-Meter-Marke den Mittelgebirglern als Sehnsuchtszahl. Bereits im 19. Jahrhundert lassen Heimatpolitiker auf dem Schneekopf einen Aussichtsturm errichten, damit aus den 978 Metern tatsächlicher Höhe der einziger Thüringer Tausender wird. Und erst vor wenigen Jahren erwägen Tourismuspolitiker, den Schneekopf auf eine Höhe von 1000 Meter aufschütten zu lassen – mit dem Gestein aus den zahlreichen Tunnelbauten der Autobahn A 71 ... Dabei hat der Schneekopf den ganzen Zinnober eigentlich gar nicht nötig: Im Film „Thüringens Tausender“ erzählen Naturliebhaber, Förster, Heimatliebende und Geschichtsfans von einem Berg voller spannender Geschichten, einem Berg, der seit jeher geprägt ist von seiner exponierten Geografie: Von militärischen Spionageanlagen in der Zeit des Kalten Krieges, als die Sowjets den Schneekopf besetzt halten und von hier aus die NATO Basen in Fulda und Frankfurt überwachen. Sie erzählen von längst vergessenen alpinen Skirennen am spektakulären Nordhang des Schneekopf, herunter in den Schneetiegel, dem tiefsten Kerbtal des Thüringer Waldes. Von schier unvorstellbaren Forstkatastrophen, nach dem Zweiten Weltkrieg, von Klimawandel und Waldumbau heute. Vor allem aber erzählt der Film von den Fans der Meininger, Erfurter, Suhler und Bad Dürrenberger Hütte in den dunklen Wäldern rund um den Berggipfel, von den Legenden und Sagen des Schneekopfs, von Hölle, Teufelsmoor und Teufelskanzel. Wir gehen auf Spurensuche durch die Wälder und das Gipfelplateau des Schneekopf von der Morgendämmerung bis zur Nacht – und lüfteen dabei so einige Geheimnisse um Thüringens stolzesten Berg. Ein Berg, den heute wieder ein Aussichtsturm ziert, einer, der die 1000 Meter Meereshöhe sogar übertrifft – um exakt einen Meter ... Ein Film von Dirk Schneider

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz

16.04.2024 | mdr

Unübersehbar thront sie inmitten des Elbsandsteingebirges. Burg Hohnstein krönt einen hohen einzelnen Felsen, umgeben von tiefen Abgründen, unter ihr das romantische Polenztal und das kleine Städtchen Hohnstein. Urkundlich wird sie das erste Mal 1317 erwähnt. Seitdem hat Burg Hohnstein eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Von der Raubburg zum Jagdschloss der Wettiner, von dem kurfürstlichen Amt zum Gefängnis, von der weltweit größten Jugendburg zu einem der ersten Konzentrationslager. Heute befindet sich hier wieder eine Jugendherberge. "Natürlich hat mich diese KZ-Geschichte echt geschockt. Ich habe wirklich überlegt, ob ich hier richtig bin", meint die fünfzehnjährige Lena, die hier gerade ihre Rüstzeit verbringt. "Dann aber habe ich gedacht, wer, wenn nicht wir jungen Menschen müssen diesen Ort bevölkern, unbedingt. Wir sind doch das Leben." Das sieht Gabriele Hahn auch so, es wäre im Sinne ihres Großvaters Konrad Hahnewald, dem ersten Burgwart der Jugendherberge in den 1920er Jahren. Hahnewald ist hier 1933 grausam von der SA misshandelt worden. Er habe sich geweigert, die Hakenkreuzfahne auf der Burg Hohnstein zu hissen, berichtet seine Enkelin. In den wenigen Monaten bis zur Schließung des Konzentrationslagers im Jahr 1934 wurden in Hohnstein 5.600 Menschen inhaftiert, misshandelt und gequält. Nach dem Krieg wurde die Burg wieder Jugendherberge - die größte in der DDR. Heute ist die Burg für den Hohnsteiner Bürgermeister Daniel Brade Wahrzeichen und Touristenmagnet. 2018 wurde sie von der Stadt übernommen. Ein Kraftakt, denn seitdem kämpft die Kommune Tag für Tag um die wirtschaftliche Stabilität und beantragte Fördergelder. "Wir haben so ein Glück gehabt, dass wir die Mittel vom Bund, vom Freistaat und Landkreis bekommen haben, dass wir die Burg endlich sanieren können. Es war höchste Zeit", sagt der Bürgermeister. Zur Verfügung stehen insgesamt 45 Millionen Euro. Bis 2028 soll alles fertig sein - auch der Erlebnispfad, mit dem die Burg dann ihre Gäste hochlocken will. 20.000 sind das derzeit pro Jahr. Es können aber ruhig noch einige mehr werden.

29 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Unsere Wälder - Die Wasserwälder der Mittelelbe

14.04.2024 | mdr

In der Mitte Sachsen-Anhalts, im sanften Elbtal, liegt die Elbe, "Deutschlands Amazonas". Ein magischer Ort, an dem heute noch allein das Wasser den Rhythmus des Lebens bestimmt. Die Launen der Elbe, ihr Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser, bestimmen hier eine ganz besondere wilde Welt. An den Ufern des gewaltigen Stromes erstrecken sich die größten zusammenhängenden Wasserwälder Mitteleuropas - Regenwälder unseres Kontinents. Es ist eine archaische Natur, die seit Jahrtausenden von der Elbe lebt. Die größten Bäume sind 35 Meter hoch und über 500 Jahre alt. Hunderte solcher Giganten säumen noch heute die Ufer der Mittelelbe. Früher gehörten sie zu jedem Fluss dazu. Mittlerweile zählen Wasserwälder zu den gefährdetsten Waldgesellschaften und sind europaweit von Vernichtung bedroht. Über 80 Prozent ihrer Bestände entlang der Flussauen gingen in den letzten 150 Jahren verloren, vor allem durch die Eindeichung der Flüsse. Damit schnitt der Mensch den Wäldern ihr Lebenselixier ab: das Wasser. Dass in Sachsen-Anhalt die Wasserwälder überlebt haben, war Zufall: "Die DDR wollte seinerzeit auch einmal ein Großschutzgebiet haben. Und die UNESCO hatte 1979 erstmals das Programm der weltweiten Biosphärenreservate ausgerufen. Nicht einmal die Bundesrepublik hatte ein solches Reservat. So war es ein Anspruch der DDR, einmal schneller zu sein als der Westen", sagt Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservates Mittelelbe. "So sind dann das Vessertal in Thüringen und der Steckby-Lödderitzer-Forst die ersten deutschen UNESCO-Biosphärenreservate geworden. Interessant ist: Diese Schutzgebiete sind seitdem gewachsen. Das Land oder den Staat, die diese ausgewiesen haben, gibt es nicht mehr." Etwa 6000 Hektar Wasserwald blieben so in Sachsen-Anhalt erhalten. Sie erstrecken sich auf einer Länge von 80 Kilometern entlang der Elbe - vom Gartenreich Dessau-Wörlitz bis vor die Tore Magdeburgs. Aufgrund ihres Nährstoffreichtums zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Mehr als die Hälfte aller Tierarten Deutschlands leben in den Auen-Gebieten. Besucher schwärmen: "Der Reiz der Wasserwälder ist einfach der, dass hier noch Natur herrscht, also Natur pur. Eine unverbaute Natur, die man so einfach vor der Haustür findet. Deshalb muss ich auch nicht nach Afrika fahren. Dort ist dasselbe, nur in einer anderen Art und Weise und einer anderen Vielfalt. Aber hier spielt das Leben", so Thomas Hinsche, Ornithologe und Tierfotograf. Mittlerweile erfährt der alte Wald auch in anderer Funktion eine Renaissance: als natürlicher Hochwasserschutz. Deshalb soll in den kommenden Jahren noch mehr Wasser in die Auen fließen, weitere Deiche sollen abgetragen und zusätzliche Waldinseln an die Flussdynamik der Elbe angeschlossen werden. Mitteleuropas größte Wasserwälder an Deutschlands großem Strom werden so zukünftig noch weiter wachsen. Über ein Jahr waren die Naturfilmer Peter und Stefan Simank in den Wasserwäldern der Mittelelbe unterwegs, beobachteten die Besonderhei

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Prachtboulevard und Pflaster der Revolution

13.04.2024 | mdr

Prachtboulevard des Bürgertums, Kriegshölle, sozialistische Vorzeigestraße, Ort der Friedlichen Revolution. Mit ihren extremen Brüchen ist die Prager Straße mehr als nur eine Einkaufsstraße. Wie kaum ein anderer Ort ist sie ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen des vergangenen Jahrhunderts. Wo einst Wiesen und Gärten waren, entsteht ab 1851 die Prager Straße, die später die wichtigste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Altmarkt wird. Zunächst lose bebaut, mit vielen Villen und prächtigen Hotels, entwickelt sie sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der schönsten Flaniermeilen der Kaiserzeit. Das äußere Erscheinungsbild des Boulevards hat sich seitdem immer wieder verändert. Das Leben von Hans-Joachim Dietze ist eng verbunden mit der Flaniermeile. Prunkvolle Kaufhäuser, edle Café-Häuser, schicke Wohnungen – so erlebt er die Prager Straße in den 1930er Jahren. Sie muss den Vergleich mit anderen großen europäischen Boulevards wie dem Ku’damm in Berlin nicht scheuen. Die Bombennacht und den Niedergang des Prachtboulevards hat er erlebt und fotografiert. Zu DDR-Zeiten verändert sich die Prager Straße und bekommt ein sozialistisches Antlitz. Zu großer Berühmtheit avanciert der Pusteblumen-Brunnen, der heute noch in Teilen vorhanden ist. Damals eine völlig neue Idee. Nach einem Entwurf der Künstlerin Leonie Wirth baut die Kunstschmiede Bergmann den außergewöhnlichen Brunnen. Peter und Alexander Bergmann prägten damit die Kindheitserinnerungen vieler Dresdner und ihrer Besucher. Waren es im Oktober 1989 Menschen, die auf der Prager Straße gesellschaftliche Veränderungen mit herbeigeführt haben, so ist es im Sommer 2002 eine Naturgewalt, die über die Fußgängerzone hereinbricht und ihren optischen Wandel letztlich immer weiter vorantreibt. Immer wieder musste sich die Prager Straße neu erfinden. Etwas Neues wagen will auch Mathias Weise. Gemeinsam mit dem Team vom "The Student Hotel" will er den Ort wieder zu dem machen was er einmal war: ein Treffpunkt für Menschen aus der ganzen Welt.

30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Ein Hauch von Moskau in Magdeburg – Die Stalinbauten

12.04.2024 | mdr

Magdeburgs Mitte ist nicht wirklich der Alte Markt oder der Domplatz. Es ist ein früherer Aufmarschplatz für 150.000 Menschen, der sogenannte "Zentrale Platz" an der ehemaligen "Wilhelm-Pieck-Allee". Heute lockt hier ein grüner Park mit Brunnen und Plastiken. Drumherum stehen repräsentative Bauten, stattliche Wohnpaläste aus der Stalinzeit. "Der Osten"-Presenter Axel Bulthaupt ist beindruckt. Die Häuser aus den Anfangszeiten der DDR zeigen sich in der Frühjahrssonne in voller Pracht: helle Farben, Säulenverziert, die Eingänge geschmückt mit steinernen Gravuren, wunderschöne Loggien – ein Hauch von Moskau, mitten in Magdeburg. Doch diese Bauten erinnern auch an eine bisher nicht erzählte Geschichte: Nach dem furchtbaren Bombardement im Januar 1945 war Magdeburg nur noch eine Trümmerwüste, nichts war geblieben vom Glanz einer der schönsten Altstädte Deutschlands. Die Elbestädter aber ließen sich nicht unterkriegen und entwarfen eine neue Stadt. Die Entwürfe allerdings fanden in Berlin wenig Anklang. Walter Ulbricht persönlich bemängelte, dass den Magdeburgern der Sinn für die "16 Grundsätze der sozialistischen Großstadt" fehle, vor allem ein "Zentraler Platz", auf dem "150.000 Menschen 2 bis 3 Stunden" an einer Tribüne vorbeiströmen können – flankiert von repräsentativen Großbauten. Da war kein Platz mehr für die älteste Kirche Magdeburgs, die über 1.000 Jahre alte Ulrichskirche. 1956 wurde sie gesprengt. Damit war Platz für die großen Wohnpaläste der Stalinzeit – eine bis heute beeindruckende Mischung aus Kitsch, Komfort und Klassizismus. Wohnungen mit Parkett, Fernwärme, außergewöhnlichen Grundrissen und sogar mit Aufzügen – nie wieder ist in der DDR so kreativ und aufwändig gebaut worden. Axel Bulthaupt ist auf dem "Zentralen Platz" der Ulbricht-Zeit unterwegs. Er erzählt die Geschichte von Menschen, die in Magdeburgs Mitte leben, die stolz ihre Wohnungen im Stalinpalast zeigen und heute sogar für den Wiederaufbau der Ulrichskirche werben. Er schaut auch auf das alte Magdeburg und erzählt von Opfern des Naziregimes, die es nicht ertragen können, dass der Kirche gedacht wird. Ein Film von Dirk Schneider

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Der Millionenschatz vom Ohmgebirge

19.03.2024 | mdr

Ein Film von Dirk Schneider 600 Meter unter der Erde, es ist dunkel und heiß: Von hier aus will der kanadische Bergbauingenieur Lawrence Berthelet angreifen. Sein Ziel: Der Millionenschatz unter dem Ohmgebirge in Nordthüringen – Mineralien und Kali-Salze für die Düngemittel- und Chemieindustrie. Das Vorhaben elektrisiert die ganze Region, das Eichsfeld: Denn exakt jenes Kali-Flöz hätte vor 30 Jahren eines der größten Dramen der Treuhandzeit verhindern können, im nur wenige Kilometer entfernten Bischofferode. Für das Kali-Bergwerk ist die Ohmgebirge-Lagerstätte damals die letzte Chance, die Treuhand aber verbietet den Abbau – und es kommt zum härtesten Arbeitskampf der Treuhandzeit, zum Hungerstreik von Bischofferode - ein Trauma für die beteiligten Bergleute, bis heute. Das Kali-Bergwerk Bischofferode schließt, die Region blutet aus, die Jungen verlassen das Land und die Altlasten des Kalibergbaus zahlt der Steuerzahler – allein für die Flutung des Bergwerks von Bischofferode und den Abriss der Fördertürme hunderte Millionen Euro. Dabei wäre das alte Kalibergwerk heute eine Chance: "Würde Bischofferode noch existieren, könnte man von hier aus die Ohmgebirge-Lagerstätte erschließen", sagt Babette Winter, Geschäftsführerin der Südharz Kali in Erfurt. "Aber so ist es nicht und das ist schade." Babette Winter und ihr Team um Ingenieur Lawrence Berthelet arbeiten gemeinsam mit den australischen Investoren an der Kali-Zukunft in Thüringen. Denn die Investoren haben sich nicht nur die Ohmgebirge-Lagerstätte gesichert, sondern alle Kali-Flöze in Nordthüringen. Es geht um Milliarden. Jüngste Mitarbeiterin der Südharz Kali ist die 27-jährige Monique Haushälter, Eichsfelderin und studierte Geotechnikerin. Sie hat immer auf eine Renaissance des Bergbaus in ihrer Heimat gehofft; ihr Opa war Bergmann in Bischofferode: "Wann hat man denn schon die Chance, von Anfang an ein Bergwerk zu entwickeln?" Der Film "Der Millionenschatz vom Ohmgebirge" erzählt die Geschichte eines der ehrgeizigsten Bergbau-Projekte Deutschlands – exklusiv, unter Tage, über Tage, im Damals und im Heute.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Von der Klöppelschule zur Kreativschmiede

06.02.2024 | mdr

Schneeberg ist ein Geheimtipp für junge Menschen, die mit ihren Händen gestalten und Einmaliges schaffen wollen. Die kleine Stadt im Erzgebirge, umgeben von Wäldern, wo früher Generationen von Bergmännern das Silbererz zu Tage brachten, hat ein besonderes Kreativzentrum: Die Angewandte Kunst - eine kleine Fakultät, die zur Westsächsischen Hochschule Zwickau gehört. Auf dem Campus lagern riesige Holzbestände. Die Räume sind vollgepackt mit Stoffen aller Farben. Eine Digitaldruckerei steht bereit für die Textilmuster der Zukunft, während nebenan alte Webstühle und Klöppelspulen klappern. 150 Studierende lernen hier in den Studiengängen Holzgestaltung, Modedesign und Textilkunst. Die Wurzeln dieser Schule reichen bis auf die 1878 gegründete königliche Spitzenklöppel-Musterschule zurück. Die transparente Klöppelspitze aus Schneeberg hat bis heute Weltniveau. Punto in Aria - Stiche in die Luft. "Wir konstruieren dabei wie Architekten ein stabiles lineares Gefüge, jeder Knoten ist ein Stützpfeiler für die Spitze." Ute Schmidt lehrt die selten gewordene Handwerkskunst bis zum 3. Semester. Wenn sie Inspiration sucht, geht sie ins hochschuleigene Musterarchiv zu den jahrhundertealten Originalen, die schon Königinnen begehrten. Beim Holz beginnt Jacob Strobel, erfolgreicher Möbeldesigner und Professor, den Lehrplan mit traditionellen Handwerkstechniken. Erst nach Drechseln, Feilen und Sägen kommt der zeitgenössische, künstlerische Part. "Jetzt lernen wir, wie man mit den Händen denkt". In Schneeberg wird der gute alte Schaukelstuhl in diesem Semester wiederbelebt. Alles ist erlaubt, aber Statik und Design müssen stimmen. Professor Strobel nimmt die besten Prototypen und ihre angehenden Designer und Designerinnen mit zum österreichischen Naturmöbelhersteller TEAM 7. Eine Extra-Prüfung bei den Holzprofis. Auch Masterstudent Jan-Erik Schützhold fährt mit nach Ried im Innkreis. Sein dreibeiniger Sitzhocker darf in den Belastungstest, wo sonst nur Bestseller geprüft werden. "Diese Chance zu haben ist toll, und selbst wenn die Hockerbeine dabei brechen, weiß ich, was ich falsch gemacht habe."  Schon zu DDR-Zeiten hat sich an dieser Schule ein besonderer Gestaltungsstil herausgebildet, für Möbel, Spielzeug und Mode. Der berühmte Formgestalter Karl Clauss Dietel, der u.a. die legendäre Simson S51 entwarf, lehrte in Schneeberg. Für ihn hatte das Design, neben der Ästhetik, einen klaren Auftrag: Funktionalität und Reparierbarkeit. Dieses Credo ist in den drei Studiengängen Holz, Textil und Modedesign auch heute allgegenwärtig. Weg von der Wegwerfmode! Von der wackeligen ersten Naht im 1. Semester bis zu exakten Schnittmustern, kontrolliertem Ausfranzen und perfekten Rüschen. Die Bachelor- und Masterkollektionen hängen jetzt auf langen Kleiderstangen und warten auf die Models im Backstagebereich der Zwickauer Fashion-Night. Zehn Minuten Umziehzeit. Zum ersten Mal präsentieren die Studierenden ihre Arbeiten einem Publikum. "Wir bieten richtig viel Praxis an, da

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Mühlhausen - wunderbar verwandelt

23.01.2024 | mdr

Mühlhausen ist die einzige ehemalige Reichsstadt mit fast vollständig erhaltener mittelalterlicher Substanz im deutschen Osten. Ihr Bürgertum - selbstbewusst und freiheitsliebend. Nicht erst seit den Bauerkriegen pflegen die Mühlhäuser eine besondere Form von Gemeinschaft. Die erfährt, wer zum Beispiel in der Buchhandlung von Familie Strecker mal eben nur ein Buch kauft und sich plötzlich in einem der öffentlichen Wohnzimmer der Stadt bei Kaffee und Kuchen wiederfindet. Dieses Mühlhäuser Lebensgefühl zog das Ehepaar Hertz aus den Vereinigten Staaten in die Thüringer Provinz. In nur zehn Jahren hat das Paar hier vier alte Häuser saniert und dazu beigetragen, dass sich Mühlhausen wunderbar verwandelt. Welch ein Kraftakt das war, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Unbefestigte Straßen, verschimmelte Fachwerkhäuser, elende Rinnsale, rauchende Schlote - so sah Mühlhausen teils noch vor 30 Jahren aus. Festgehalten zur Wende für das Magazin "Stern" vom Fotografen Michael Kerstgens, der die Verwandlung der Stadt bis heute verfolgt. Eine Verwandlung an der auch die Spezialfirma für Denkmalpflege der Familie Huschenbeth einen großen Anteil hat. Längst kehren junge Mühlhäuser, die es zunächst in die Ferne zog, wieder zurück. Christoph Reimann und Ann-Kristin Zabel schmieden als Stadtentwickler und Chefin der Wirtschaftsförderung an einer smarten, klimaneutralen und lebenswerten Zukunft. Traditionen zukunftsfähig machen, will auch Erzieherin Daniela Breitenstein, die in einer der zahlreichen Kirmesgemeinden der Stadt die jahrhundertealte Tradition der Mühlhäuser Stadtkirmes weiterführt.

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Das Heckert - Ferienheim im Harz

31.12.2023 | mdr

Das Heckert - Ferienheim im Harz Das „Heckert“ ist ein Wahrzeichen der jungen DDR. 1952 wird auf dem Kuhkopf von Gernrode im Harz der Grundstein gelegt für eines der ersten neuerbauten Ferienheime des Landes. In einer Zeit des Mangels, als es noch Lebensmittelkarten gibt, Trümmer des Zweiten Weltkrieges überall zu sehen sind und die Menschen massenhaft die DDR verlassen, entsteht das stolze Ferienheim „Fritz Heckert“ für über zwei Millionen Mark. Der Bau der klassischen Moderne hat alles, was man sich damals an Luxus vorstellen kann: Zentralheizung, fließend Warmwasser, Wahlessen, Schachzimmer, Bibliothek, Fernsehraum, Wannenbäder… Und das für 30 Mark pro Kind, unter 100 Mark für einen Erwachsenen für einen 13-tägigen Aufenthalt. Das Heckert-Heim war ein Hotel für die einfachen Leute mit einem Gewerkschaftsausweis. Und: Es war ein großes Glück, einen Ferienplatz dort zu ergattern. Doch mit den 1970er Jahren bleiben die Sommermonate internationalen Gästen vorbehalten, von jenseits der östlichen Grenze ebenso wie der westlichen Grenze. „Die Franzosen waren eine Kategorie für sich – die ließen sich nicht so leicht organisieren. Die Jugoslawen waren ziemlich arrogant uns gegenüber, die Dänen waren am trinkfreudigsten“, erinnert sich die ehemalige Restaurantleiterin Regina Simon. Es gab für die Sondergäste extra Tischdecken, anderes Geschirr und besondere Verpflegung. Die eigene Bevölkerung wurde dann des Hauses verwiesen, manchmal sogar mit Geleitschutz. Viele lustige und traurige Geschichten ranken sich um den riesigen Betonbau, der heute eine Ruine ist. Seien es Geschichten über den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, den Katastrophen-Winter 1978/79, über die elegante Nachtbar oder die verschwundene Fritz-Heckert-Büste. Heute ist keine Glasscheibe mehr drin, kein Schalter, nicht mal mehr ein Kabel. Nachts kommen wilde Partygäste, es gibt Schießspiele, Müll liegt überall herum. Doch nach dreißig Jahren Leerstand gibt es plötzlich einen Investor, der das einstige Urlaubsdomizil wiederbeleben will: „Die Substanz des Hauses ist unheimlich gut. Wir bauen hier die Praline der Region,“ so ein Verantwortlicher der IBG-Gruppe aus Berlin. Vor Ort überwiegt indes die Skepsis. Bisher haben sich nur Betrüger und Spekulanten für die Immobilie mit Geschichte interessiert. So verwundert es nicht, dass manche sagen: „Ich glaube das erst, wenn ich es sehe!“ Ein Film von Katja Herr

44 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst: Wald der Biber und Kraniche – Die Dübener Heide

12.12.2023 | mdr

Es grenzt an ein Wunder, dass sie in dieser Dimension und Schönheit noch heute existiert - die Dübener Heide. Sie ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteldeutschlands und berühmt für ihre urwüchsigen Moore. Die natürlichen Wirkstoffe, die in der schwarzen Erde stecken, besitzen heilende Wirkung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, Gicht und Osteoporose. Noch vor 40 Jahren stand die Existenz der Dübener Heide auf Messers Schneide. Täglich rieselten hunderte Tonnen Flugasche, Schwefeldioxid und Chlor auf den Wald vor den Toren Bitterfelds, damals die "schmutzigste Stadt Europas", nieder. Ende der 1980er Jahre droht sogar das komplette Aus. "Ich war damals 20 und am Horizont tauchten schon die ersten Braunkohle-Bagger auf. Doch dann kam 1989 die Wende. Es gab Proteste und die berühmten Grünen Tische, keine Runden wie sonst überall in der DDR üblich. Das war das große Glück, um die Heide zu retten. Bei uns gab es so zusagen die erste Energiewende, den ersten Kohleausstieg", sagt Axel Mitzka vom Naturpark Dübener Heide. 1992 gründete sich der Naturpark Dübener Heide, der erste Naturpark in ganz Deutschland, der aufgrund von Bürgerinitiativen nicht regierungsamtlich "von oben" entstand. Heute umfasst er eine Fläche von etwa 77.000 Hektar und ist für viele Menschen aus dem angrenzenden Ballungsraum Halle-Leipzig ein reizvolles Naherholungsgebiet. "Das Schöne ist, dass die Dübener Heide noch nicht so überlaufen ist, wie andere Wälder um Großstädte. Man kann hier fast einen ganzen Tag lang wandern, ohne einen anderen Menschen zu treffen", sagt Sabine Ostarek, die sich ehrenamtlich in der Dübener Heide engagiert. Ausgedehnte Waldgebiete und Wiesenflächen wechseln sich heute ab mit unberührten Heidebächen und Seen des ehemaligen Bergbaus. Unterschiedlichste Lebensräume sind es, die die Dübener Heide so einzigartig machen und damit Heimat für besonders geschützte Tierarten bieten. Neben Kranichen, Rauhfußkäuzen und Schwarzstörchen zählt dazu vor allem der Biber. Ein Landschaftsarchitekt, der nicht nur das Gesicht des Waldes prägt, sondern früher auch viel Geld einbrachte. "1984 ging es damit los. Holland wollte von uns Biber kaufen. Und wir hatten Biber, mehr als genug. Und die DDR brauchte Devisen. 1.400 Westmark pro Biber, das schlug ein wie eine Bombe. Überall wurde gefangen und exportiert", sagt Ulrich Kujath, ehemaliger Mitarbeiter beim Staatlichen Forstamt Dübener Heide. Nach ganz Mitteleuropa wurden Biber aus der Dübener Heide exportiert, um im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten neue Populationen zu schaffen, dort wo die Tiere ursprünglich ausgerottet wurden. Heute werden in der Heide keine Biber mehr gefangen, denn die übernehmen inzwischen andere Aufgaben. Sie bremsen die Folgen des Klimawandels mit Hitze, Trockenheit und Dürre. Der Film taucht ein in eine wundersame Welt, in der Wasser, Biber und uralte Bäume eine faszinierende Landschaft geformt haben, eine "Grüne Lunge" inmitten der dicht besiedelten, von Industrie, Berg